Ich war diese Woche seit einigen Jahren mal wieder in Großbritannien unterwegs, davon 1,5 Tage bis gestern in London. Mein Fazit: Wow !!! Dort in der Innenstadt und der U-Bahn liefen mir mindestens 20-30 Frauen mit Stilettos über 10cm über den Weg. Bei einer Frau hatte ich das Gefühl, die Heels wären höher als die Schuhlänge. Jedoch alle Heelsträgerinnen liefen perfekt in ihren Schuhen.
Auch liefen mir ca. 10 Männer größtenteils dezent geschminkt, schick, modern und gepflegt gekleidet mit gröberen Plateaustiefeletten über den Weg. Die ausschließlichen Blockabsätze waren bis zu 10cm hoch und das Gesamtbild war immer noch männlich. Die Stadt ist so bunt und divers.......und es fühlt sich alles echt normal an. Hier wird keiner blöd angeschaut. Jeder scheint tolerant mit den anderen umzugehen. Solange man sich hier nicht durch sein Stilettogestakse auf die Nase legt, fällt man überhaupt nicht auf.
Im Hilton am späten Abend dann der Knüller: Auf dem Weg zu meinem Zimmer kam ich mit einem Kollegen aus dem Fahrstuhl und traf auf zwei jüngere Männer um die 25. Der eine mit kurzen bunten Haaren und Lippenstift. Nach einem kurzem Gruß meinerseits grüßten sie erstaunt mit einem Lächeln zurück und verschwanden im Fahrstuhl. Nachdem sich mein Kollege leicht abfällig äußerte, fing ich eine kleine Diskussion über Diversity und Toleranz an. Schnell erkannte ich in seinen Aussagen eine gewisse Unsicherheit zu diesen Themen und auch eine Angst, man könne ihm eine Neigung oder Abweichung von der konservativen Denkweise nachsagen. Leider trauen sich viele Männer in Deutschland nicht eine Toleranz zuzugeben. Noch während der Diskussion auf dem Hotelflur ging der Mann mit den bunten Haaren freundlich grüßend an uns vorbei. Mein Kollege schaute ihm hinterher und zog erstaunt seine Augenbraue hoch. Ich schaute ihm daraufhin auch nach und erkannte, dass er Stiefeletten mit ca. 8-10cm hohen Blockabsätzen trug. Ohne mich gegenüber meinem Kollegen zu outen, erklärte ich ihm, dass es viele Männer gäbe, die hohe Schuhe privat Zuhause und auch einige Draußen tragen - teilweise mit Rock / Kleid oder Leggins. Kaum einer davon ist gay oder gehört zur Dragszene. Sie tragen die Schuhe und Kleidung weil sie diese toll finden. Er lenkte etwas ein und erklärte, solange sie ihn in Ruhe ließen hätte er auch kein Problem damit.
Ein ähnliches Verhalten der Kollegen hatte ich schon auf einer 3tägigen Geschäftsreise vor 3 Wochen in Wien festgestellt. Ich glaube die Gesellschaft in Deutschland ist größtenteils noch stark verklemmt und gehemmt.
Zitat von Hamburger im Beitrag #3Ja, London ist der Hammer! Dort sieht man alles mögliche was sich hier keiner traut.
Wie viele Girlz Mittags rund um die Oxford-Street auf High Heels auf Nahrungssuche herumlaufen ist ein Augenschmaus.
Und was ich auf der berühmten Torture Garden Party an fantasievollen freizügigen Outfits sah war einfach unglaublich. Und das war vor über 20 Jahren.
Zu London und Oxford Street fällt mir Kurt Geiger ein, die hatten früher immer coole gut tragbare Stiefeletten. Müsste ich auch noch ein oder 2 Paar haben mit 12-15cm. Kennt noch wer die London Edge Alternative Fashion, eine Messe, immer im Winter, ein Traum für Plateauheels-Fans. Überhaupt lockerer wie in London findet man den Umgang mit Kinky Fashion kaum wo auf der Welt. Aber da bin ich raus inzwischen, trage nur noch Leder oder Jeans zu Heels. Nur habe ich in London zu viele Bekannte, als daß ich dort in Heels rumlaufen würde. In Kürze habe ich mal wieder ein Projekt in einem Land, in dem Heels angesagt sind☆
Zitat von Hamburger im Beitrag #5Ja, Kurt Geiger sind cool, habe ich auch.
Diese Messe kenne ich nicht, nur die kreative Mode auf dem Camden Market.
Ich war aber erstaunt, als ich in den 90ern coole Klamotten im Hyper Hyper sah und mir klar wurde woher Baxter seinen erfolgreichen Songtitel hatte...
Meinst du wirklich, dass du in einer Stadt mit fast 10 Mio Menschen grade auf deine Bekannten triffst?
Am Flughafen Heathrow hatte ich vor 15 Jahren mal einen Kunden in 3m Entfernung gesehen, er hatte mich bisher nur mit Business-Klamotten gesehen und scheint mich so in Jeans, Baseball-Cap, Sonnenbrille und kurzer Lederjacke überhaupt nicht wahrgenommen zu haben, obwohl ich mit High-Heels, knackenger Jeans und schmaler Taille wirklich auffällig war und auch noch von der Größe her viele überragte. Hatte schon mal ein, zwei lockere Sprüche parat, sollte er mich ansprechen.
In der Sloane Street hatte ich ein paar Monate später mal ein ähnliches Erlebnis, ich konnte gar nicht mehr ausweichen, doch die Leute waren so mit Shopping beschäftigt, dass wir vollkommen desinteressiert aneinander vorbei gingen. Sonnenbrille, Pokerface und locker bleiben hilft. Als ich vorbei war, drehte ich mich vorsichtshalber aber nicht mehr um,
Kensington, Chelsea, Soho, Camden, da ist vieles normal, was hier vollkommen crazy wäre. Trotzdem meide ich die exponierten Plätze in London seither. Aber es hätte seinen Reiz, dort mal wieder auszugehen, was ich in der Gruppe nie erlebte, war bisher immer nur alleine unterwegs.