Man kann sich auch selber auf den Präsentierteller hieven... Wenn immer ich in Wien bin, gehe ich in Wien bin, gehe ich in die Oper oder in ein Konzert. Und für heute Abend hatte ich ein Karte für Kammermusik im Mozarthaus erstanden. Ich kannte weder die Location noch das Ensemble und war entsprechend neugierig. Zudem war ich entschlossen, in voller Montur - also mit hochhackigen Stiefeln anzutreten.
Ich also hin, und beim Einlass erfahre ich, ich sitze in der ersten Reihe. Nun denn. Der Saal - oh weh! Sehr, sehr klein. Fünf Stuhlreihen à 15 Plätze - intimer geht's nimmer. Ich nehme also Platz, geschätzte Distanz zum Podest der vier Musiker: weniger als 1 m. Der Saal füllt sich, neben mich setzt sich eine ältere Frau (60-65 J.) in vortrefflichen schwarzen Overknee-Stiefel mit ähnlich hohem Absatz wie meine (8 cm). Da gucke ich natürlich hin. Und wie auf Kommando strecken wir beide die Beine aus - und da guckt SIE natürlich hin. Der fassungslose Blick - nicht mit Gold aufzuwiegen! Und dann ihre Frage im Gesicht... "Sie doch auch!" hätte ich geantwortet, und sie wusste es. Ich hätt' fast gelacht. Sie musste dann immer wieder hinkucken und ich auch. Dann kamen aber die Musiker. In meiner Sichtachse - die renommierte US-Musikerin an der Bratsche. Wo kuckt sie hin? Auf meine Stiefel, sehr prominent neben den Stiefeln der Dame. Noch ein fassungsloser Blick, ein schwer durchschaubares Mienenspiel - mir kommt das Wort "Gewürge" in den Sinn - und dann erlöste uns die Musik. So ein schöner Abend! 😂
Vermutlich, aber falsche Noten kamen vom Cello und jeder hat's gewusst. Die Bratschespielerin rollt mehrfach verzweifelt mit den Augen als jene den Schubert massakriert hat. Ach, ach, das Musikerleben ist grausam.
Geschätze Distanz 60 cm. Aber ich glaube, das Gedröhne lag eher an der Technik als an mir als Ablenkung. Sie war einfach zu laut im Vergleich zu den anderen. Und ich zu nah' dran.