Habe gerade etwas über den sog. "Red Sneaker Effect" gelesen - und keine Panik, weil dort Sneaker steht. :) Das Thema passt eigentlich hier auch ganz gut, denn:
"Der „Red Sneaker Effect“ ist ein faszinierendes Phänomen aus der Sozialpsychologie und Verhaltensökonomik. Er beschreibt, dass Menschen, die bewusst und sichtbar gegen gesellschaftliche Normen oder Kleidervorschriften verstoßen, von anderen oft als statushöher, kompetenter und selbstbewusster wahrgenommen werden."
Warum funktioniert der Effekt?
Das psychologische Fundament hinter diesem Effekt lässt sich auf drei Kernfaktoren herunterbrechen:
Signalisierte Autonomie: Wenn du dich absichtlich gegen die Masse stellst, signalisierst du: „Ich bin so erfolgreich und unabhängig, dass ich es mir leisten kann, die Regeln zu brechen, ohne negative Konsequenzen fürchten zu müssen.“ Es wirkt wie eine Demonstration von Macht und Freiheit. Kostspieliges Signalisieren: In der Evolutionsbiologie und Psychologie ist ein Signal umso glaubwürdiger, je „teurer“ es für den Sender ist. Ein Berufseinsteiger, der im Schlabberlook zum Kundentermin kommt, riskierte früher seinen Job. Wenn ein Tech-Milliardär im verwaschenen Hoodie auftaucht, zeigt das, dass er über den Regeln steht. Abgrenzung durch Einzigartigkeit: Nonkonformismus hebt Personen aus der Masse heraus. Das Gehirn verknüpft diese gezielte Andersartigkeit automatisch mit Kreativität und Mut.
Dies passt glaube ich zu vielen Erzählungen hier im Forum. Wer in HH sicher auftritt, wird häufig bewundert und bekommt Komplimente. Oder fast noch am besten: Fällt gar nicht auf! Was aber auch wieder schade ist.
Der Effekt kann jedoch auch nach hinten losgehen:
Es muss Absicht sein: Wenn die rote Fliege schief sitzt oder die Kleidung schmutzig ist, wirkt es unabsichtlich und wird als Inkompetenz oder Unwissenheit ausgelegt. Das Gegenüber muss spüren, dass die Abweichung eine bewusste Entscheidung war. Der Kontext entscheidet: Die Beobachter müssen die eigentliche Norm genau kennen. Wenn es gar keinen Dresscode gibt, kann man ihn auch nicht wirkungsvoll brechen. Zudem funktioniert der Effekt in kreativen Umfeldern deutlich besser als in "konservativen" Umfeldern. Ein gewisser Basis-Status hilft: Wenn man bereits einen guten Ruf oder sichtbare Kompetenz besitzt, verstärkt die Nonkonformität das Profil massiv. Wer völlig unbekannt ist und ohne Vorleistung Regeln bricht, wird oft schlicht als unhöflich oder unprofessionell abgestempelt.
Auch das kann ich mir gut vorstellen. Unbeholfen auf 16cm Stilettos hilft sicher nicht.
In einer Welt, in der fast alle versuchen, sich anzupassen, kann ein gezielter, stilvoller Bruch der Erwartungen also ein echtes psychologisches Machtinstrument sein.
Klingt gut. Auch ein Aspekt, den ich so nicht erkannt hätte.
Da ist auch ein bischen drin: Ich bin ich! Etwas Trotz, etwas Stolz.
Und vor allem bei mir Liebe zu einem schönen Schuh. Den ja sonst eh keiner trägt.
Zitat von Alexcgn im Beitrag #1Wer in HH sicher auftritt, wird häufig bewundert und bekommt Komplimente. Oder fast noch am besten: Fällt gar nicht auf! Was aber auch wieder schade ist.
Was wohl durch das vorher genannte kommt:
Zitat von Alexcgn im Beitrag #1von anderen oft als statushöher, kompetenter und selbstbewusster wahrgenommen
Also, Kopf hoch, sich nicht anpassen, und weiter geniessen.
Danke für den Artikel. You made my day.
Dafür heute aber flach, nehme mit meiner Tochter an einem 20 km Armee Marsch teil. Und morgen vielleicht direkt noch mal
Da ist sicher viel Wahres dran. Wie ich schon oft beschrieben habe: Bewege dich so, als wäre es das normalste der Welt. Dann macht es am meisten Spaß und es gibt hier und da auch Komplimente Zumindest ist das meine bisherige Erfahrung der letzten 1,5 Jahre...
V-Heel-e Grüße
LM741
It F-Heel-s good!
Neue Gedanken öffnen die Schranken (Dietrich Drahtlos)
Zitat von LM741 im Beitrag #4Interessant! Da ist sicher viel Wahres dran. Wie ich schon oft beschrieben habe: Bewege dich so, als wäre es das normalste der Welt.
Das sollte man auch machen .... Selbstbewusst elegant mit den High Heels laufen, dann kommt es bei denen die es bemerken auch so an. Als eine Verkäuferin mich auf mein Schuhwerk ansprach, da sagte Sie "wie gut und sicher Sie mit den Schuhen laufen, als wäre es normal das ein Pärchen mit High Heels unterwegs ist".
Mein Arbeitskollege trägt auch rote und pinkfarbenen Sneaker, das fällt in der heutigen Zeit auch sofort ins Auge, wo die Leute sich gegenseitig Anpassen, nach dem Motto "bloß nicht auffallen".
Freut mich, dass sich viele hier bestätigt fühlen - ich übrigens auch. Gestern habe ich ein wenig weiter recherchiert und eine Kernfrage, ob dieser Effekt funktioniert, scheint zu sein: gezielte Provokation oder deutliche Grenzüberschreitung. Leider ist dies relativ und was für die eine Person noch als gezielte Provokation (wen überhaupt) durchgeht, kann das Gleich für andere schon "zu viel" sein. Das Tragen von HH als Mann wird häufig (leider) als "Bruch der Geschlechternormen" wahrgenommen, was ganz andere Themenbereiche bei diesen Personen berührt, als modische Extravaganz. Das Leben bleibt spannend. :)